Praktischer Beitrag zu Integration und Solidarität

Neuer Verein Aktive Jugend sucht interkulturellen Dialog - Junge Türken wollen 20 000 Euro für Hilfsprojekt in Somalia sammeln

Von unserem Redakteur Andreas Lang

Emrah Yazici schreckt so schnell nichts ab. Weder der mühselige Weg der Integration noch das wachsende Chaos im Bürgerkriegsland Somalia. Solche Hindernisse begreift der 18- Jährige vielmehr als Chance zur Veränderung. Die Lust an der Herausforderung ist einer der Gründe, warum sich der junge Türke zum zweiten Vorsitzenden der „Aktiven Jugend" hat wählen lassen.

Im Februar ist der Verein beim Amtsgericht eingetragen worden. Damit ist aus der einstigen Clique überwiegend türkischer Freunde eine Organisation geworden. Das soll unter anderem den Vorteil haben, nicht nur Gutes zu tun, sondern auch darauf aufmerksam zu machen.

Bisher haben sich Yazici und seine Kumpel mehr im Verborgenen darum bemüht, die Außenseiterrolle abzustreifen und sich in die Gesellschaft zu integrieren. Was von einem Moscheeverein aus ein schwieriges Unterfangen bleibt. Also haben sich die fast 30 Teenager - bislang überwiegend türkischer Herkunft - aus dieser Umgebung gelöst und beginnen, eigene Aktivitäten zu entfalten. Ihr Einstand als Vereinsmitglieder ist auf eine bemerkenswerte Resonanz gestoßen: ein viertägiger Benefizbasar Ende Mai in der Notwende hat fast 12.300 Euro erbracht. Bis Herbst erwartet die „Aktive Jugend" weitere Spenden aus Sammelaktionen. Damit hofft, sie einem Team von zwei, drei Mitgliedern 20.000 Euro für ein Hilfsprojekt im Osten von Somalia mitgeben zu können.

Ursprünglich wollten die Jugendlichen eine dort engagierte Hilfsorganisation nur beim Brunnenbau finanziell unterstützen. Nun, so freut sich Yazici, ist allein schon durch den Basar so viel Geld zusammengekommen, dass der Verein auch eine verbindliche Zusage für den Bau einer Schule machen kann. Die Vermittlung von Schülerpatenschafte wäre der nächste Schritt.

Hilfsangebot aus Kirgisien

Lehrer sind schon gefunden - aus dem fernen Kirgisien. Von dort haben sich Muslime gemeldet, die über das Internet auf das Engagement der Ludwigshafener Jugendlichen aufmerksam geworden sind. Sie haben nicht nur landestypische Produkte für den Basar in der Notwende geschickt, sondern auch frisch ausgebildete Pädagogen genannt, die bereit wären, in Ostafrika zu unterrichten.

Das alles und noch einiges mehr hat sich die „Aktive Jugend" vorgenommen. Damit arbeitet sie beharrlich daran, Vorurteile abzubauen und die Integrationsbereitschaft auf deutscher Seite herauszufordern. Erste Missverständnisse mit Nachbarn hätten am Rande des Basars in der Notwende bereinigt werden können, freute sich Yazici. Ein weiterer Ansporn für den Verein, regelmäßig in der Öffentlichkeit Präsenz zu zeigen. So denkt die „Aktive Jugend" daran, Nachhilfeunterricht zu geben, eine Zeitschrift herauszugeben oder sich im Internet zu präsentieren.

„Wir haben den ersten Schritt getan", erläuterte Yazici in einem Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Nun sind wir auf die Reaktionen gespannt." An den Vereinsmitgliedern könne es nicht liegen, wenn Integrationsbemühungen nicht voran kämen. Zuwachs ist willkommen, in den Vereinssitzungen werde nur deutsch gesprochen, räumt der Vize-Vorsitzende Bedenken aus dem Weg.

Ihre Initiative ist nicht unbeachtet geblieben: Der Stadtjugendring, Dachverband der führenden Jugendorganisationen im Stadtgebiet, hat dem neuen Verein einen Gaststatus eingeräumt, und das städtische Umweltamt hat gerade Interesse an einer Kooperation bekundet.

Das motiviert Yazici und seine Freunde, allen Vorbehalten und aller Vereins-Bürokratie zum Trotz. Und das ist ein vorzeigbares Beispiel von Integrationsbereitschaft und praktizierter Solidarität gleichermaßen.

Kontakt
Emrah Yazici, Telefon: 0162 4303580, E-mail: e.yazici@web.de

Bis Herbst sammeln Jugendliche im Auftrag der „Aktiven Jugend" mit speziell gekennzeichneten Büchsen Spenden für das Somalia-Hilfsprojekt. Sammelbehälter sind auch in diversen Geschäften aufgestellt.

 

Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Ludwigshafener Rundschau
Datum: Nr.134
Datum: Montag, den 12. Juni 2006
Seite: Nr.9
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